„Kultur der Vielfalt – Vielfalt der Kultur“

17 11 2018

Die Beauftragte für Kultur und Medien, Staatsministerin Monika Grütters, hat am 13.11.2018 gemeinsam mit der Beauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Annette Widmann-Mauz, 130 Vertreterinnen und Vertreter gesellschaftlicher Spitzenverbände und der Kultur zu einem Meinungsaustausch ins Bundeskanzleramt eingeladen. Die Auftaktveranstaltung für das Themenforum Kultur im Nationalen Aktionsplan Integration steht unter dem Motto „Kultur der Vielfalt – Vielfalt der Kultur“.

Staatsministerin Monika Grütters erklärte: „Zu den zweifellos größten gesellschaftlichen Herausforderungen gehört heute, Zusammenhalt in Vielfalt zu schaffen. Integration steht ganz oben auf unserer politischen Agenda. Gerade Kunst und Kultur können enorme Kräfte für ein gesellschaftliches Miteinander entfalten. Diese Kräfte brauchen wir derzeit mehr denn je, da vielerorts auf breiter Front Ressentiments gegen anders Denkende oder anders Lebende geschürt werden. Die bundesgeförderten Kultureinrichtungen sind bereits heute wichtige Motoren der Integration. Künftig wollen wir gemeinsam kulturelle Teilhabe und Diversität noch stärker nicht nur durch einzelne Projekte, sondern auch als dauerhafte Kern- und Querschnittsaufgabe in unseren Einrichtungen verbindlich verankern. Zudem wird mein Haus für die Weiterwicklung des ‚Nationalen Aktionsplans Integration‘ ein Kulturkapitel erarbeiten, das der Bedeutung der Kultur als Brückenbauerin, aber auch als Spiegel unseres Selbstverständnisses, Rechnung trägt. Das heutige Treffen dient dazu als Anstoß und Inspirationsquelle.“

Staatsministerin Annette Widmann-Mauz erklärte: „Gesellschaftlicher Zusammenhalt kann nicht von oben verordnet werden. Zivilgesellschaft, Vereine, Verbände und Kulturbetriebe leisten einen wichtigen Beitrag zum Zusammenwachsen unserer Gesellschaft und machen Vielfalt erlebbar. Mit dem ‚Nationalen Aktionsplan Integration‘ geben wir neue Impulse für die Integration – für eine Kultur der Vielfalt und eine Vielfalt der Kultur.“

Der Nationale Aktionsplan Integration der Bundesregierung orientiert sich an fünf Phasen der Zuwanderung und des Zusammenlebens (Zuwanderung, Erstintegration, Eingliederung, Zusammenwachsen, Zusammenhalt). Gemeinsam mit Ländern, Kommunen, nichtstaatlichen Akteuren und Migrantenorganisationen werden Handlungsfelder und konkrete Maßnahmen erarbeitet, um die Integration insgesamt voranzutreiben. Die Ergebnisse werden auf den kommenden Integrationsgipfeln präsentiert.

Die heutige Veranstaltung bildet den Auftakt zur Weiterentwicklung des Nationalen Aktionsplans Integration im Bereich Kultur. Institutionen und Initiativen zur kulturellen Integration sollen künftig noch intensiver und ertragreicher zusammenarbeiten. Hierfür werden sich die bundesgeförderten Kultureinrichtungen zukünftig jährlich treffen, um sich über praktische Fragen der Vermittlung, Integration und Diversität auszutauschen. Außerdem soll es künftig einen „Bericht zur Diversität im Kultur- und Medienbereich in Deutschland“ geben.

Gleichzeitig wird das bisherige „Netzwerk Kulturelle Bildung und Integration “ zum operativen Netzwerk der BKM-geförderten Kultureinrichtungen fortentwickelt. Es soll regelmäßig den Erfahrungsaustausch der Praktiker in den Einrichtungen bündeln und umsetzen, was durch die umfangreiche Expertise des bisherigen „Netzwerks Kulturelle Bildung und Integration“ erarbeitet wurde.

Das Treffen Netzwerk im Bundeskanzleramt wird mitveranstaltet von der Initiative Kulturelle Integration (IKI) unter Moderation des Deutschen Kulturrats.

Olaf Zimmermann, Moderator der Initiative kulturelle Integration und Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, betonte: „Kultur ist ein wichtiger Schlüssel zur Integration. Das bestätigen eindrucksvoll die 15 Thesen der Initiative kulturelle Integration, einem breiten Bündnis von Verbänden und Institutionen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Sie bieten eine Grundlage auch für die Debatte über das Kulturleben in einer vielfältigen Gesellschaft. In allen Sparten der Kultur wird darüber nachgedacht, wie Kultureinrichtungen, Künstlerinnen und Künstler ihren Beitrag zur Integration leisten können. Dabei geht es auch darum, Migrantinnen und Migranten nicht nur als Zielgruppe für Kulturangebote, sondern als Akteure des Kulturschaffens anzusehen.“



6. Mitteldeutsche Kulturklausur in Magdeburg

17 11 2018

Vertreterinnen und Vertreter von kulturellen Spitzenverbänden aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben sich am 19. Oktober 2018 zur „6. Mitteldeutschen Kulturklausur“ im Kulturhistorischen Museum in Magdeburg getroffen.

Foto: Jörg Dietrich

Mitglieder des Kultursenats Sachsen, der Kulturkonferenz Sachsen-Anhalt und des Kulturrates Thüringen tauschten sich dabei über wichtige kulturpolitische Entwicklungen in ihren Ländern aus. So tauschten sich die Expertinnen und Experten über die aktuellen Entwicklungen in der Kulturpolitik in den jeweiligen Ländern aus. Insbesondere wurden die Fragen „Kultur als Standortfaktor“, Bedeutung „Kultureller Bildung“ und „Gedanken zur Kulturforschung“ erörtert.  Außerdem tauschten sich die Fachleute über aktuelle Entwicklungen in Fragen der Vergütung der Beschäftigten im Kulturbereich aus.

Die Teilnehmenden informierten sich intensiv über die Kulturhauptstadtbewerbungen der mitteldeutschen Städte für das Jahr 2025, vor allem die Magdeburgs. Es wurde vereinbart, die 7. Kulturklausur im Oktober 2019 in Sachsen durchzuführen.

Der Magdeburger Kulturbeigeordnete Prof. Dr. Puhle (rechts) erläuterte die Relevanz der Kulturhauptstadtbewerbung der Landeshauptstadt für die Stadtentwicklung. Links im Bild Dr. Christian Reineke (Foto: A. Schneider)



Freier Eintritt ist kein Allheilmittel

8 11 2018
Deutscher Bundestag / Ausschuss für Kultur und Medien debattiert

Berlin: (hib/AW) Ein prinzipieller Eintritt in Museen führt nicht automatisch zu dauerhaft höheren Besucherzahlen. Dies war die einhellige Aussage von Sachverständigen in einem Fachgespräch des Kultur-und Medienausschusses am Mittwoch über den freien Eintritt zu Kultureinrichtungen. Vor allem warnten die Experten vor der Erwartung, mit einem kostenfreien Zugang könnten in einem größeren Umfang Menschen erreicht werden, die kostenpflichtige Kultureinrichtungen nicht nutzen.

Der Kulturjournalist Peter Grabowski verwies darauf, dass etwa 50 Prozent der Deutschen so gut wie nie ein Museum besuchen. Die Bereitschaft für den Besuch von Kultureinrichtungen steige zwar mit dem Haushaltseinkommen und dem Bildungsgrad, bei der Entscheidung spiele der Eintrittspreis allerdings eher eine sekundäre Rolle. Primär würden die Menschen eher nach dem persönlichen Mehrwert eines solchen Besuchs fragen. Unterrepräsentiert unter Museumsbesuchern seien vor allem Behinderte, Familien und Migranten.

Der freie Unternehmensberater Martin Dumbs und der ehemalige Geschäftsführende Direktor der Kulturbetriebe Dortmund, Kurt Eichler, führten unter Berufung auf Erfahrungen in England und Dortmund aus, dass sich durch freie Eintrittspreise zwar oftmals die Besucherzahlen kurz- und mittelfristig steigern ließen, sie aber langfristig wieder auf das Ursprungsniveau zurückgingen. Zu beobachten sei aber, dass Museumsbesucher den freien Eintritt für Mehrfachbesuche nutzen. Von ähnlichen Erfahrungen aus Frankreich berichtete Mona Guichard, Kulturattachée an der französischen Botschaft. Auch sie verwies darauf, dass sich bildungsferne Bevölkerungsschichten auch über einen freien Eintritt nicht automatisch erreicht lassen.

Claus Rokahr, Verwaltungsdirektor der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, sprach sich dezidiert gegen einen prinzipiell freien Eintritt aus. Er sprach sich aber für sozial gestaffelte Eintrittspreise und den freien Eintritt für Kinder und Jugendliche aus. Der Kaufmännische Geschäftsführer der Kunsthalle Karlsruhe, Philipp Stanehl, plädierte dafür, die Kultureinrichtungen bei der Frage nach einem freien Eintritt sehr differenziert zu betrachten. Es ließen sich kaum verbindliche Aussagen über die Auswirkungen treffen. Auch Markus Walz, Professor für theoretische und historische Museologie an der Universität Leipzig, warnte vor überzogenen Erwartungen an einen freien Eintritt. Er verwies darauf, dass bereits viele Museen den kostenfreien Zugang bieten, umgekehrt aber auch viele Museen nicht auf die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern verzichten können.

Kirsten Witt, stellvertretende Geschäftsführerin der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung, führte an, dass kulturelle Teilhabe ein verbrieftes Recht sei. Allerdings würden viele Menschen eben nicht nur wegen ökonomischen Gründen von Kultureinrichtungen ferngehalten. Bildung und Sozialisation spielten eine oftmals größere Rolle. Ein freier Eintritt müsste deshalb auch durch flankierende Maßnahmen ergänzt werden.

Von abweichenden Erfahrungen berichtete Janina Benduski, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Freie Darstellende Künste. In der freien Theaterszene habe man durch verschiedene Modellversuche zum Beispiel mit frei wählbaren oder gestaffelten Eintrittspreisen sehr wohl neue Publikumsschichten erreichen können, für die ein Theaterbesuch vorher nicht erschwinglich gewesen sei.