Kultur lässt sich nicht spalten

4 05 2016

Die Kulturkonferenz Sachsen-Anhalt e.V. hält es für äußerst bedenklich, den Kulturbereich auf zwei Ministerien aufzuspalten. Laut Medien-Information sollen künftig sowohl das Kultusministerium als auch die Staatskanzlei für Bereiche der Kultur zuständig sein. Theater, Orchester oder bildende und angewandte Kunst etwa gehen an die Staatskanzlei, während Bibliotheken, Kinder- und Jugendkultur oder Museen im Kultusministerium verbleiben. „Wie soll das praktisch funktionieren?“ so der Vorsitzende der Kulturkonferenz Christian Reineke. „Die Kultur in Sachsen-Anhalt lebt doch von einem gewachsenen und sich gegenseitig bereichernden Netzwerk. Beispielsweise kooperieren die Musikschulen als staatlich anerkannte Bildungseinrichtungen mit über 700 anderen Einrichtungen, viele ihrer Lehrkräfte sind gleichzeitig auch Musiker in den Theaterorchestern oder unterrichten an allgemein bildenden Schulen“. Die Aufteilung etwa von kultureller Bildung und der sogenannten Hochkultur in zwei Ministerien sei darum sachlich und fachlich falsch, zu eng sei Kultur und Bildung über zahlreiche und bundesweit renommierte Kooperationsprojekte miteinander verzahnt. Außerdem widerspräche dies einer Kernaussage des neuen Koalitionsvertrags, in dem Kultur als eng mit Bildung zusammenhängend erkannt worden sei und Synergieeffekte wie auch Reduzierung von Verwaltungsaufwand angestrebt werden.
Die Kulturkonferenz rät darum dringend, den Kulturbereich bei einem Ministerium zu belassen. Die vernetzte Kunst- und Kulturszene in Sachsen-Anhalt braucht einen starken Ansprechpartner und einen Kulturhaushalt, dessen Verteilung nicht ständig zwischen einzelnen Ministerien neu ausgehandelt werden muss.

Ergänzende Beiträge zur aktuellen Debatte:

Bildungsminister Marko Tullner in einem Beitrag der MZ vom 4. Mai 2016

Bildungsminister Marko Tullner in einem Beitrag der MZ vom 4. Mai 2016



Magdeburger Resolution

29 04 2016

Magdeburger Resolution
initiiert von der Kulturkonferenz Sachsen-Anhalt e. V.

Teilnehmende der Konferenz “Kultur öffnet Welten” appellieren an die Regierung und demokratische Opposition der 7. Legislaturperiode im Land Sachsen-Anhalt

Überzogener Nationalismus steht der Freiheit der Kunst diametral gegenüber. Völkische Ideologien sind nicht geeignet, kulturelle Schöpfungsprozesse zu bestimmen.
Heimattümelnde Parolen bilden keine Diskussionsgrundlage. Sachsen-Anhalt ist ein weltoffenes Land, das in der Mitte Deutschlands und Europas liegt.

Eine deutsche Leitkultur gibt es nicht. Daher lassen sich auch Museen, Theater, Orchester und andere Kultureinrichtungen nicht in die Pflicht nehmen, stets einen positiven Bezug zur eigenen Heimat zu fördern oder zwangsweise zur Identifikation mit unserem Land anzuregen. Sachsen-Anhalt ist ein Land der kulturellen Vielfalt. Unsere Kultur wird geprägt durch die verschiedenen Regionen und durch unterschiedliche kulturelle Ausdrucksformen der Menschen, die hier leben, egal ob sie hier geboren oder zugewandert sind.

Kulturelle Bildung ermöglicht die Teilhabe am kulturellen Leben. Diese Teilhabe muss allen Menschen offen stehen, der kulturelle Hintergrund, das Einkommen, die sozialen
Verhältnissen oder der Aufenthaltsstatus dürfen dabei keine Rolle spielen. Durch kulturelle Teilhabe gelingt Integration, unabhängig davon, wie lange jemand schon in Deutschland lebt. Die vielfältige kulturelle Infrastruktur ist eine elementare Voraussetzungen für Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Kulturelle Infrastruktur sichert die Bewahrung, Erschließung und Präsentation sowohl des kulturellen Erbes als auch des künstlerischen Schaffens der Gegenwart.

Die Akteure dieser Infrastruktur, die Kulturschaffenden und -vermittelnden in Sachsen-Anhalt, werden sich nicht ideologisch vorschreiben lassen, wie sie ihre Arbeit zu gestalten haben. Nationalistische, völkische und heimattümelnde Denkansätze sind Gegensätze zu Weltoffenheit, Demokratie und Freiheit – und deshalb keine Bestandteile der Kulturpolitik in Sachsen-Anhalt.

Wer diesen Aufruf unterstützen möchte, kann dies gern mit einer E-Mail an info@kulturkonferenz-sachsen-anhalt.de tun. Wir freuen uns auf viele Mitzeichnende!



Kultur öffnet Welten – auch in Sachsen-Anhalt

29 04 2016

Eröffnung der TagungKulturakteure in Sachsen-Anhalt wollen in ihren Projekten verstärkt weltoffen und engagiert für Demokratie, gegen Rassismus und Gewalt agieren. Dies ergab ein Erfahrungsaustausch unter dem Motto „Kultur öffnet Welten“. Am 29. April 2016 fand im Kulturhistorischen Museum Magdeburg dazu eine für Sachsen-Anhalt durchgeführte Veranstaltung “ statt. Hierbei handelt es sich um eine bundesweite Initiative „Kultur öffnet Welten“, die von Kulturstaatsministerin Monika Grütters gemeinsam mit den Ländern und Kommunen, künstlerischen Dachverbänden und Akteur/innen aus der Zivilgesellschaft ausgerufen worden ist und mit der sichtbar gemacht werden soll, wie Kulturschaffende und Institutionen sich für kulturelle Teil-habe engagieren.

Kooperationspartner in Sachsen-Anhalt ist die Kulturkonferenz Sachsen-Anhalt unterstützt von der .lkj) Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung. In Anbetracht der Kürze der Vorlaufzeit kamen doch über 40 Teilnehmer zusammen. Laut Aussage des Berliner Projektbüros (Junge Ohren e.V.), das von den bundesweit 15 geplanten Veranstaltungen zu „Kultur öffnet Welten“ bisher fünf durchgeführt hat, war das bisher die Veranstaltung mit den meisten Besuchern gewesen!

Aus Sicht der Kulturkonferenz ist die Veranstaltung sehr erfolgreich verlaufen. Der Vormittagsteil war geprägt durch gemeinsamen Erfahrungsaustausch auf Bund-Länder-Ebene, nachmittags fand eine kulturpolitische Podiumsdiskussion statt (Ma-nuela Lück (SPD), Andreas Schumann, MdL (CDU), Umair Qureshi (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Stefan Gebhardt, MdL (DIE LINKE), die Moderation hatte Lars Johansen.

Infolge dieser Veranstaltung ist eine von der Kulturkonferenz initiierte „Magdeburger Resolution“ entstanden, für die nun weitere Unterzeichner gesucht werden. Sie kann auf der Homepage der Kulturkonferenz (www.kulturkonferenz-sachsen-anhalt.de) eingesehen und von dort aus formlos als Privatperson oder/und als Verband per Mail-Antwort (info@kulturkonferenz-sachsen-anhalt.de) unterstützt werden.

arte2Der deutsch-französische TV-Sender “arte” berichtete am 30.4.2016 über die Aktivitäten von Kulturschaffenden – darunter auch von der Kulturkonferenz Sachsen-Anhalt e. V. – zum Beitrag (3 Min.)



Kulturkonferenz begrüßt Koalitionsvereinbarung

26 04 2016

Die Kulturkonferenz Sachsen-Anhalt sieht viele ihrer öffentlichen Forderungen in dem neuen Koalitionsvertrag 2016-2021 erfüllt. Hierfür steht zunächst, dass der Kulturetat 1% des Landeshaushaltes, mindestens jedoch 100 Mio. € betragen soll und besondere Höhepunkte (wie z. B. das Bauhausjubiläum 2019) mit zusätzlichen Mitteln zu finanzieren sind. Schon seit vielen Monaten hat die Kulturkonferenz darauf hingewiesen, dass Kunst und Kultur zentrale Orte der Integration von Geflüchteten sind, die Kulturförderung des Landes zu vereinfachen und (z.B. durch mittel- und längerfristige Finanzzusagen) verlässlicher als bisher zu gestalten sei sowie Mitarbeiter institutionell geförderter Einrichtungen tarifgerecht zu bezahlen sind. „Auch dieses“, so der Vorsitzende der Kulturkonferenz Christian Reineke „ist unmittelbar in den Vertrag eingegangen. Dadurch wird einmal mehr deutlich, dass die Kulturkonferenz Sachsen-Anhalt als spartenübergreifender Kultur-Dachverband eine wichtige Beratungsinstanz für gute Kulturpolitik darstellt.“ Jetzt gehe es darum, so Reineke weiter, genau zu verfolgen, in wieweit diese Vorhaben durch die neue Landesregierung auch konkret realisiert werden.



Kulturkonferenz fordert höheren Kulturhaushalt und Stärkung der kulturellen Teilhabe

22 03 2016

Mit großen Erwartungen schaut die Kulturkonferenz Sachsen-Anhalt e.V. auf die Sondierungsgespräche und die nachfolgenden Koalitionsverhandlungen. „Jetzt werden die Grundlagen für die künftige Kulturpolitik im Land gelegt“ so der Vorsitzende der Kulturkonferenz Sachsen-Anhalt e.V., Christian Reineke. Daher sei es wichtig, entscheidende Kernpunkte der künftigen Kulturpolitik einzufordern.

Um der wichtigen Rolle der Kultur für Bildung, Integration und Demokratie Rechnung zu tragen, fordert die Kulturkonferenz einen auskömmlichen Kulturhaushalt, mindestens in Höhe von 1% am Landeshaushalt mit einer moderaten jährlichen Dynamisierung dieses Betrages von 2%. Dies sei für ein so kulturreiches Land wie Sachsen-Anhalt angemessen. „Schließlich beträgt in Thüringen der Kulturhaushalt 1,7% und in Sachsen 1,3%“ so Reineke weiter. Dringend erforderlich sei eine verbesserte finanzielle Ausstattung der Kommunen als größte Kulturträger im Land. Dabei seien insbesondere auch die Kommunen in der Fläche zu stärken. Für das bereits schon jetzt international viel beachtete Bauhausjubiläum im Jahr 2019 sind zusätzliche adäquate Finanzmittel erforderlich, damit andere bewährte Förderlinien nicht „ausbluten“ und das Jubiläum nicht zu Lasten anderer kultureller Infrastruktur geht.

Ein besonderes Anliegen der Kulturkonferenz ist das Schaffen von verbesserten Möglichkeiten zur Teilhabe an Kultur und kultureller Bildung für sozial Benachteiligte und Geflüchtete, für Erwachsene ebenso wie für Kinder und Jugendliche. Nur so werden Ängste und Ressentiments zwischen Menschen verschiedener Kulturkreise abgebaut und Rechtsradikalismus verhindert. Hier liege eine große Integrationschance, die nicht vertan werden dürfe. Geflüchtete Menschen und die einheimische Bevölkerung sollen sich alle gemeinsam mit Sachsen-Anhalt als ihrer neuen wie alten Heimat identifizieren können, so Reineke weiter.



Für die Freiheit von Kunst und Kultur! Deshalb gegen die AfD!

4 03 2016

Kulturkonferenz sieht durch AfD das Grundrecht der Kunstfreiheit bedroht

Angesichts der aktuellen Umfragen zur bevorstehenden Landtagswahl warnt die Kulturkonferenz Sachsen-Anhalt e.V. vor der Partei Alternative für Deutschland: „Die AfD ist nicht nur eine ausländerfeindliche Partei, sondern vertritt in ihrem Wahlprogramm Werte, die sich eindeutig gegen die im Grundgesetz in Artikel 5 verankerten Grundrechte der Freiheit von Kunst, Wissenschaft, Forschung, Lehre und Meinungsfreiheit richten“ so der Vorsitzende der Kulturkonferenz, Dr. Christian Reineke. Insgesamt, so Reineke, führe das Wahlprogramm der AfD in den Abgrund kultureller Einfalt: „Diese Partei will Museen, Orchester und Theater zu einer sogenannten deutschen Leitkultur verpflichten, die sich gegen eine pluralistische Gesellschaft richtet. Das erinnert an die staatlich verordnete Kultur von Diktaturen, die es in Deutschland schon zweimal gegeben hat. In der NS-Zeit wie auch in der DDR hatten Kunst, Kultur, Wissenschaft und Meinungsfreiheit staatlichen Vorgaben zu folgen.“ Bedenklich hält die Kulturkonferenz auch die bildungspolitische Forderung der AfD zu einem Ausscheren Sachsen-Anhalts aus der Kultusministerkonferenz, um dann AfD gemäße kulturelle Bildungsinhalte zu vermitteln. „Das würde Sachsen-Anhalt bundesweit bildungspolitisch isolieren und die Entwicklung unserer Kinder massiv einschränken. Was wäre ein Schulabschluss eines solchen Bundeslandes dann noch wert?“ so Reineke weiter.

Auch die Haltung der AfD zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern, die sie als gesellschaftspolitisches Experiment der Gender-Ideologie bezeichnet und strikt ablehnt, verstoße gegen Artikel 3 des Grundgesetzes < Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Männer und Frauen sind gleichberechtigt >. „Wer AfD wählt“, so Reineke weiter, „verhindert, dass Frauen zukünftig auf allen gesellschaftlichen Ebenen gleiche Chancen wie Männer haben. Die erfolgreiche Emanzipation wird dann der Vergangenheit angehören.“



“Kultur steht zur Wahl” – Video-Dokumentation

26 02 2016

Die Kulturkonferenz Sachsen-Anhalt e.V. hat im Vorfeld der Landtagswahl 2016 an die Landtagsfraktionen aktuelle Fragen zur Kultur gestellt. Die Antwortenwaren inhaltliche Grundlage für eine Podiumsdiskussion, die am 16. Februar 2016 in Magdeburg mit den Spitzen der im Landtag vertretenen Fraktionen stattfand.
Es diskutierten:
– Gunnar Schellenberger, Vorsitzenden des Kultur- und Bildungsausschuss, CDU
– Stephan Dorgerloh, noch amtierender Kultusminister SPD
– Wulf Gallert, Fraktionsvorsitzender DIE LINKE
– Prof. Dr. Claudia Dalbert, Fraktionsvorsitzende Bündnis 90 / DIE GRÜNEN
Moderation: Sandra Meyer, MDR Figaro und Uli Wittstock, freier Journalist

Das knapp eineinhalbstündige Video des Offenen Kanal Magdeburg über diese Veranstaltung gibt es hier



Die Stunde der Stellvertreter

18 02 2016

Christian Eger berichtet in der Mitteldeutschen Zeitung über das Wahlforum zur Kulturpolitik.

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Katrin Budde ist nicht da. Zum zweiten Mal sagte die SPD-Fraktions-Chefin im Landtag eine Wahlkampfdiskussion in Sachen Kulturpolitik ab. Es wäre eine Premiere gewesen.

Noch zu keinem Zeitpunkt der vergangenen drei Jahre, auch nicht im Zuge der Protestdemonstrationen 2013, hat man die Landes-Chefin der SPD im öffentlichen Kultur-Streit mit politischen Konkurrenten erlebt. Man schuf lieber Tatsachen. So blieb es am Dienstagabend Christian Reineke, dem Vorsitzenden der Kulturkonferenz Sachsen-Anhalt, überlassen, dem im Magdeburger Kulturforum Gestaltung versammelten Publikum zu verkünden, dass auf eine „langfristige Zusage“ zum kulturpolitischen Spitzentalk eine „überaus kurzfristige Absage“ erfolgt sei. Auf MZ-Nachfrage teilte Buddes Büro als Begründung mit, es hätte „andere Termine“ gegeben.

SPD und CDU schicken Ersatz

Budde ist nicht allein. Auch André Schröder, Fraktions-Chef der CDU, findet nicht den Weg zur Diskussion. Ein Umstand, der insofern zu bedauern war, als Schröder als Kultusminister immerhin im Gespräch ist. Aber Kulturpolitik wird in Sachsen-Anhalt als Wahlthema nicht nach vorne, sondern zur Seite gespielt. Und so schlägt auf der Regierungsebene in Sachen Kultur die Stunde der Stellvertreter. Man gibt sich auch keine Mühe, das näher zu begründen.

Die SPD schickte den Kultusminister Stephan Dorgerloh, dessen Amtsfortsetzung höchst ungewiss ist und der kein Mitglied des Landtages war - und auch nicht kandidiert. Die CDU entsandte den Vorsitzenden des Kultur- und Bildungsausschusses, Gunnar Schellenberger, inzwischen ein Podiums-erprobtes Schlachtross. Der Mann aus dem Salzlandkreis, der gern für das in seinem Wahlkreis rekonstruierte Ringheiligtum Pömmelte - „das deutsche Stonehenge!“ - wirbt, musste bereits zur Podiumsdiskussion in Halle den Ministerpräsidenten ersetzen. Aber man erfährt ja auch immer etwas Neues. Zum Beispiel, dass Schellenberger über einen „Schwarzpulverschein“ verfügt, eine Qualifikation, die ihn in die Lage versetzen könnte, wie er sagt, die vier aus dem Deutsch-Französischen Krieg stammenden Kanonen zu bedienen, die das Land im Dezember mit Geld aus dem Kulturetat für das Bismarck-Museum in Schönhausen erworben hat.

Fraktions-Chefs der Grünen und Linken diskutieren

Der als Vorwurf formulierte Befund, dass die Regierung - also „das Land“ - zu sehr auf Jubiläen, auf „Steine“ und eine Musealisierung des kulturellen Lebens setze, zog sich denn auch als ein roter Faden durch die zupackend und launig von den Journalisten Sandra Meyer und Uli Wittstock geführte Diskussion. Als die einzigen Fraktions-Chefs in der Runde ließen Claudia Dalbert von den Grünen und der Linke-Vorsitzende Wulf Gallert jeweils Zahlen sprechen.

Von 2011 bis 2016 habe es laut Gallert zusätzliche Ausgaben für Baudenkmäler und Luther-Jubiläum in Höhe von 9,5 Millionen Euro gegeben, dem das Sinken der Ausgaben unter anderem für Theater, Museen und Musikschulen um acht Millionen gegenüber stünde. Claudia Dalbert, die - wie sie auf Nachfrage einräumt - als Kultusministerin bereit stünde, kommt zu einem ähnlichen Befund. Sie hat sich den Kulturetat des Landes genauer angeschaut, in dem auch die Mittel für Denkmalschutz und Unesco-Stätten verwaltet werden, was anderswo nicht der Fall sei.

Nimmt man diese Mittel heraus, meint Dalbert, komme man auf den eigentlichen Kulturetat. Und der zeige dann 2011 eine Höhe von 89 Millionen und 2016 nur noch 78 Millionen. „Nun sage mir nochmal einer, das ist keine Schwerpunktverschiebung!“, erklärt Gallert, der übrigens derjenige Politiker ist, dem an diesem Abend die Kollegen am meisten zustimmen.

Selbstverständlich wehrt sich Dorgerloh gegen den Musealisierungsvorwurf. Die Luther- und Bauhaus-Jubiläen Thüringen zu überlassen, das wäre ein Versagen gewesen, sagt er. Man verbinde ja zudem die historischen mit zeitgenössischen Aktionen. Eine Bemerkung, die den Moderator einwenden lässt, dass er jetzt – wenn er Maler in Sachsen-Anhalt wäre - große Chancen hätte, viele Luther-Bilder loszuwerden. Oder als Musiker, eine Luther-Oper zu komponieren. Die wird es geben, überrascht Gunnar Schellenberger. „Das sind die Renner, die gebraucht werden!“

Es geht um den Erhalt der Kulturinstitutionen

Nun bilden Erbe und Gegenwartskunst eigentlich keine Entweder-Oder-Konstellation, schon gar nicht in Sachsen-Anhalt, nur müssen beide Seiten bedient werden. Aber die Tendenz zur kulinarischen Erbepflege ist unübersehbar, auch wenn es, was zum Schlagwort „Musealisierung“ gehört, den Museen wirklich schlecht geht, wie sogar Gunnar Schellenberger einräumt, der ein Freund der musealen und repräsentativen Kultur ist.

Der steht ein auf Einmischung orientierter Kulturbegriff entgegen, den die Grünen und die Linke pflegen, die Kultur ausdrücklich nicht als Magd des Tourismus oder der Pädagogik begreifen, was zu kleinen Wortgefechten führt. „Wir haben viel zu wenig kulturelle Inventionen in die Gegenwart!“, erklärt Gallert. „Das ist auch eine Folge der Kulturpolitik im Land!“ Dorgerloh: „Das wird nicht besser, lieber Herr Gallert, wenn sie es immer wiederholen.“ Gallert: „Richtig, das wird nicht besser.“

Der Linke-Chef lenkt die Aufmerksamkeit noch auf eine andere Frage: Soll die historisch gewachsene hohe Kulturdichte in Sachsen-Anhalt, die der vieler westdeutscher Flächenländer überlegen sei, erhalten bleiben oder nicht? Die Pro-Kopf-Kulturausgaben liegen in Sachsen Anhalt bei 134 Euro, in Niedersachsen bei 70 Euro. Die Theaterlandschaft sagt Gallert, sei bereits auf niedersächsisches Niveau geschrumpft worden. Jetzt gehe es um den Erhalt der anderen öffentlichen Kulturinstitutionen.

Hier gab es keinen Widerspruch. Auch nicht im Willen, die Kommunen finanziell zu stützen, Tarifgerechtigkeit in den Theatern herzustellen und die Bearbeitung von Projektförderanträgen erheblich zu verkürzen. Letzteres gelingt immer nur in Wahlkampf-Zeiten. (mz)

Quelle – Foto: Katja Müller



Kultur steht zur Wahl – Spitzen der Landtagsfraktionen im Gespräch

25 01 2016

Die Kulturkonferenz Sachsen-Anhalt e.V. hat an die Landtagsfraktionen aktuelle Fragen zur Kultur gestellt. Die nun vorliegenden Antworten (siehe Wahlprüfsteine unter Downloads) sollen inhaltliche Grundlage für eine Podiumsdiskussion sein, die am 16. Februar 2016 in Magdeburg mit den Spitzen der im Landtag vertretenen Fraktionen stattfindet.

Es diskutieren:

Moderation:

Wann: Dienstag, 16. Februar 2016

Wo: Forum Gestaltung Magdeburg, Brandenburger Straße 10, 39104 Magdeburg

Uhrzeit: 18:00 Uhr bis ca. 20:00 Uhr

Zu der Podiumsdiskussion lädt die Kulturkonferenz Sachsen-Anhalt herzlich ein!

Der Eintritt ist frei. Um eine kurze Anmeldung unter

anmeldung@kulturkonferenz-sachsen-anhalt.de wird gebeten.

Unterstützt durch die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt LzpB_SA_TriffDieWahl_Partner-Ausstattung_Logo_Motiv



55 Fragen zur Kultur beantwortet

24 01 2016

Angesichts der kommenden Landtagswahl hat die Kulturkonferenz Sachsen-Anhalt e.V. an die Landtagsfraktionen aktuelle Fragen zur Kultur gestellt. Die Antworten liegen nun vor und können auf der Homepage der Kulturkonferenz (www.kulturkonferenz-sachsen-anhalt.de/?page_id=24) eingesehen werden.

Von den insgesamt 55 Fragen betreffen 15 übergreifende Themen, etwa die Höhe des Landeskulturhaushaltes Sachsen-Anhalt im Vergleich zu den mitteldeutschen Nachbarländern Thüringen und Sachsen oder die Verwaltungsvereinfachung im Zusammenhang mit Projektförderungen. 40 Fragen sind spartenspezifisch und beziehen sich auf die Bereiche Musik, Theater, kulturelle Kinder- und Jugendbildung, Sozio- und Breitenkultur, Bürgermedien und bürgerschaftliches Engagement ebenso wie auf Traditions- und Heimatpflege, Museen, Bildende Kunst oder auf das immaterielle Kulturerbe.

„Mit der Veröffentlichung unserer Wahlprüfsteinen wollen wir zu mehr Wahlbeteiligung und zur Stärkung der Bedeutung von Kultur in Sachsen-Anhalt beitragen“, so der Vorsitzende der Kulturkonferenz, Dr. Christian Reineke. „Die Wahlprüfsteine sind das Ergebnis einer umfangreichen Zuarbeit unserer Mitglieder und wirken deshalb wie einzelne Brennspiegel, mit denen jeweils die aktuell dringlichsten Herausforderungen unseres Kulturlebens deutlich werden. Umso interessanter sind darum auch die Antworten der vier Landtagsfraktionen. Sie unterscheiden sich teilweise erheblich voneinander und unterstreichen damit auch den individuellen Stellenwert, den die jeweiligen Parteien Kultur beimessen.“

Mit den Wahlprüfsteinen der Kulturkonferenz ist die inhaltliche Grundlage für eine Podiumsdiskussion geschaffen, die mit den Spitzen der Landtagsfraktionen am Dienstag, 16. Februar 2016 von 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr im Forum Gestaltung Magdeburg stattfindet. Die Moderation übernehmen Sandra Meyer (MDR Figaro) und Uli Wittstock (freier Journalist). Der Eintritt ist frei. Um eine kurze Anmeldung unter anmeldung@kulturkonferenz-sachsen-anhalt.de wird gebeten.